verletzter Turmfalke

Mai 2013 - Es ist etwas Spektakuläres und Trauriges passiert - ich habe vor unserem Haus einen Turmfalken mitten auf der Straße sitzend vorgefunden und er ist nicht weggeflogen, als ich mit meinem Auto in unsere Garageneinfahrt fuhr.

 

Ich habe gelesen, dass ein Turmfalke einer der häufigsten Greifvögel (Falconiformes) in Mitteleuropa ist. Bei "meinem" Turmfalken handelte es sich um ein männliches Exemplar. Das unterschiedlich ausgeprägte Geschlecht (Geschlechtsdimorphismus) dieser Vogelart ist sehr deutlich erkennbar - beim weiblichen Turmfalken wäre der Kopf rotbraun gefärbt. Da sich der Kopf "meines" Turmfalken grau darstellte, erkannte ich das männliche Tier.

 

Nachdem ich das Auto geparkt hatte, eilte ich schnell ins Haus und holte meine Kamera in der Hoffnung, das Tier dann noch dort sitzend vorzufinden, wenn ich wieder nach draußen eile. Und tatsächlich, ich schaffte es und fotografierte den kleinen Greifvogel. Langsam pirschte ich mich immer näher heran und wunderte mich darüber, dass er nicht wegflog oder mich angriff. Wieder zückte ich meine Kamera und schoss ein paar Bilder. Der Vogel wich ab und zu hüpfend zurück, flog aber nicht fort.

 

Unten habe ich ein paar Bilder eingefügt. Um sie größer betrachten zu können, bitte kurz anklicken.

Da wurde ich stutzig und überlegte, was ich tun könnte, damit dieser wunderschöne Vogel, welcher immer noch auf der Straße saß, nicht von einem Auto oder Trecker erfasst werden würde. Ich versuchte bei der NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.) einen zuständigen Menschen zu erreichen, um mich beraten zu lassen. Leider ging niemand ans Telefon. Mein nächster Anruf galt einer Tierärztin (wie sich herausstellte, nur bedingt vogelkundig) und dieser schilderte ich das Verhalten des Falken. Die Tierärztin bat mich, den Vogel einzufangen und vorzustellen. Dieses gelang mir mit Hilfe eines Keschers, festen Lederhandschuhen und einem Karton. In der Praxis angekommen wurde das verängstigte Tier zunächst in einen Käfig verfrachtet, um ihn - allerdings nach meinem Empfinden - sehr oberflächlich zu begutachten und, nachdem feuchte Federn von der Brust bis zur Kloake festgestellt wurden, vorsorglich mit Baytril (Antibiotikum) zu versorgen, als erste Hilfemaßnahme. Danach telefonierte die Tierärztin mit einem Falkner in 20 km Entfernung. Dort sollte ich - nach der Begutachtung durch sie - den Falken hinbringen.

 

Leider kam es nicht mehr dazu, denn der Vogel verstarb innerhalb der nächsten 10 Minuten. Bei der Herausnahme aus dem Käfig, stellten wir gemeinsam eine Blutung auf der Brust fest. Der Vogel war stark abgemagert, man konnte das Brustbein ertasten und er war an der Brust verletzt. War er nun an der Blutung verstorben, durch das Antibiotikum oder durch die ganze Aufregung? Ich werde es nie erfahren.

 

Den wunderschönen Turmfalken legte ich in einem nahegelegenen Wald ab und gab ihn so sehr traurig der Natur zurück.